Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde, doch die wenigsten wissen genau, was damit eigentlich gemeint ist. Hartmut Sangmeister schreibt in seinem Beitrag „Nachhaltige Entwicklung oder die Karriere eines Begriffs durch nachhaltige Gedankenlosigkeit seiner Verwendung“, dass bei der Verwendung des Begriffs ein „babylonisches Sprachengewirr“ herrscht, dass es jedem erlaubt, etwas anderes darunter zu verstehen. Das nutzen natürlich auch die PR-Manager von Unternehmen, die, so Wolfgang Kaden in seinem Beitrag über „Unternehmen und Nachhaltigkeit“, fürs Gesamtgeschäft eher nebensächliche Aktivitäten in den Vordergrund stellen, während bei Zielkonflikten zwischen Rendite und Nachhaltigkeit letztendlich doch zugunsten der kurzfristigen Profitabilität entschieden wird. Nachhaltig wirtschaften bedeutet aber auf lange Sicht zu planen und zu handeln, was in einem wirtschaftlichen Umfeld, das durch die globalen Finanzmärkte getrieben wird, in der Praxis nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle spielt. „Einerseits alles daran zu setzen, das Sozialprodukt mit imposanten Raten steigen zu lassen (...) und andererseits hehre Sparziele für den Ressourcenverbrauch und die Treibhausgase vorzugeben“ passt einfach nicht zusammen. „Den Zielkonflikt zwischen Wachstumsdogma und Umweltschonung können wir nicht auflösen“, stellt Kaden ernüchtert fest.
Das liegt natürlich nicht nur an den immer wieder gern beschworenen globalen Finanzmärkten. Auch wir selbst sind mit unserem oft gedankenlosen Konsum ein Teil des Problems. Rolf Haubl bringt dies in seinem Beitrag „Auf dem Weg zu einer Sozialpsychologie der Nachhaltigkeit“ auf den Punkt: „Gehen wir ehrlich mit uns und anderen um, so müssen wir wohl einsehen, dass wir oft gar nicht so genau wissen wollen, welche lokalen und globalen Kosten unsere Lebensführung hat.“ Für die nachfolgenden Generationen wird dies unweigerlich zum Problem, wenn nicht gar zum Verhängnis werden, doch kann es „Gerechtigkeit über Generationen“ überhaupt geben?, fragt Stefan Gosepath in seinem Beitrag. Das Schlusswort dieses Editorials gehört Ulrich Grober, der mit einem kulturgeschichtlichen Streifzug den Schwerpunkt einleitet: „Eine nachhaltige Gesellschaft wird egalitärer sein und gerechter oder ein Traum bleiben.“ Dirk Katzschmann