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  EDITORIAL 12/2016 „Religion und Gesellschaft“  
 
der Eindruck, dass die auch von vielen Gläubigen geteilte Erwartung, dass die Religion zu den Modernisierungsverlierern zählen wird, sich nicht bewahrheitet. Die Modernisierung in Asien, Afrika und Lateinamerika beispielsweise hat nicht zur Entfremdung vom Glauben geführt, und die beiden größten Weltreligionen, das Christentum und der Islam
(zusammen ca. vier Milliarden Anhänger bei einer Weltbevölkerung von knapp 7,5 Milliarden), sind global betrachtet attraktiver denn je.
In der Politik galt Religion über Jahrzehnte als eine eher zu vernachlässigende Kategorie. Doch mit der islamischen Revolution 1979 im Iran gelangte die politische Brisanz religiöser Vorstellungen wieder ins öffentliche Bewusstsein, und spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist das Verhältnis von Religion und Politik ein wichtiger Faktor in den internationalen Beziehungen.
Magnus Brechtken schreibt in seinem Beitrag „Glaube und Religion als Parameter internationaler Beziehungen“, dass der Zusammenhang zwischen Glaubensfragen, Religionen und deren Einfluss auf die internationalen Staatenbeziehungen offenkundig ist. Doch trotz der evidenten historischen Verbindung von Glaubensfragen und internationaler Politik finden sich laut Brechtken nur wenige Historiker, die „sich als öffentliche Intellektuelle zu Machtfragen in den internationalen Beziehungen forschend und informierend einmischen.
Geschweige denn, was dringend wäre, klar Stellung beziehen zur historischen Gewordenheit alles Religiösen.“
Eine historische Gewordenheit, die viele US-Amerikaner leugnen oder zumindest bezweifeln. 25 Prozent von ihnen gehören zu den evangelikalen Christen, die nicht an die Evolutionstheorie glauben und mit überwältigender Mehrheit die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich nehmen. Rund 80 Prozent der weißen Evangelikalen haben bei der Präsidentschaftswahl für Donald Trump gestimmt, während es Hillary Clintons Kampagne, anders noch als der von Präsident Obama vor vier Jahren, nicht gelang, genug Wähler aus dem evangelikalen Segment zu mobilisieren. Die politischen Folgen auch über die USA hinaus werden die kommenden Jahre zeigen.

 

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